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Praxis
7 min Lesezeit20. April 2026

Kontopfändung — die ersten 48 Stunden entscheiden

Dein Konto ist gepfändet. Was jetzt? Die ersten 48 Stunden sind kritisch: P-Konto-Umwandlung, Gespräch mit Gläubiger, Fristen sichern. Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Du hast einen Brief von deiner Bank bekommen — oder schlimmer: deine Karte ist plötzlich gesperrt. Das Konto ist gepfändet. Wenn du jetzt schnell handelst, schützt du dein Existenzminimum. Wenn du wartest, kann es Wochen dauern, bis du wieder an dein Geld kommst.

Stunde 1–4: Ruhe bewahren, Fakten sammeln

Pfändung klingt dramatisch — ist aber zunächst nur ein formaler Vorgang. Ruf NICHT panisch 20 Leute an. Sammle stattdessen in einem Aktenordner oder digitalen Ordner:

  • Pfändungs- und Überweisungsbeschluss der Bank (kommt meist als PDF oder Brief)
  • Alle Mahnungen und Forderungen zu diesem Gläubiger der letzten 2 Jahre
  • Letzter Kontoauszug
  • Mietvertrag, Lohnabrechnung, Kindergeld-Bescheid (falls zutreffend)

Stunde 4–24: P-Konto beantragen (das wichtigste)

Das Pfändungsschutzkonto ist dein stärkstes Werkzeug. Jede Bank muss dein Girokonto innerhalb von 4 Geschäftstagen in ein P-Konto umwandeln — ohne Extrakosten, ohne Bonitätsprüfung. Der Grundfreibetrag (1.559,99 € / Monat Stand 2025/26) bleibt dir garantiert.

Achtung: 4-Wochen-Frist

Ab Pfändungs-Zustellung hast du 4 Wochen, um dein Konto in ein P-Konto umzuwandeln. In dieser Frist werden Eingänge noch NICHT ausgezahlt, aber auch nicht endgültig an den Gläubiger überwiesen. Danach: voll gepfändet. Also: in den ersten Tagen beantragen.

Stunde 24–48: Gläubiger kontaktieren — oder nicht

Zwei Strategien, beide legitim: Erstens, direkt den Kontakt suchen und eine Ratenzahlung verhandeln. Gläubiger wollen oft lieber 100 € pro Monat sicher als 5.000 € irgendwann. Zweitens, zuerst mit einer Schuldnerberatung sprechen — die sieht das Gesamtbild und berät, welche Forderung priorisiert werden sollte.

Wer zuerst ruhig bleibt und P-Konto beantragt, hat 70 % der Arbeit schon erledigt. Der Rest ist Detail-Verhandlung.

— Schuldnerberater eines deutschen Caritas-Verbands

Was du NICHT tun solltest

  • Geld vom Konto auf ein anderes Konto transferieren — das ist Vermögens-Verschiebung, strafbar nach § 288 StGB.
  • Einen neuen Kredit aufnehmen zum Ausgleichen — erhöht nur die Gesamtbelastung.
  • Die Pfändung ignorieren — sie löst sich nicht in Luft auf.
  • Mit dem Gläubiger Schuldanerkenntnis unterschreiben, bevor du den Betrag geprüft hast.

Nach 48 Stunden: der Langzeit-Plan

Sobald das akute Feuer gelöscht ist (P-Konto steht, Freibetrag gesichert), geht es um die Strukturierung. Erstelle eine Liste aller Gläubiger, aller Forderungen, deines monatlichen Einkommens und deiner Ausgaben. Auf Basis dieser Zahlen berechnest du, ob eine außergerichtliche Einigung realistisch ist oder ob die Verbraucherinsolvenz (3 Jahre bis Restschuldbefreiung) der schnellere Weg ist.

Liberix hilft dir beim Aufbau genau dieser Gesamt-Übersicht: Alle Gläubiger, Forderungen, Fristen in einer einzigen strukturierten Akte. Ideal für das Gespräch mit der Schuldnerberatung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die P-Konto-Umwandlung wirklich?

Gesetzlich vorgeschrieben: maximal 4 Geschäftstage. Viele Banken machen es innerhalb von 1–2 Tagen, besonders bei persönlichem Filial-Besuch.

Kann ich bei zwei Banken zwei P-Konten haben?

Nein. Gesetzlich nur ein P-Konto pro Person (§ 850k Abs. 8 ZPO). Zweites P-Konto wäre unwirksam.

Was, wenn die Bank sich weigert?

Beschwerde bei Verbraucherzentrale, dann BaFin. Das passiert selten — die meisten Banken kennen die Gesetzeslage.

Fragen zum Artikel? hallo@liberix.de — wir ergänzen oder korrigieren bei Bedarf.